C'est une sale affaireOk, man kann geteilter Meinung sein ob es sinnvoll ist mit einem Wort wie “SALE” Werbung für Schlussverkauf zu machen, insbesondere da dieses in Sprachen weiterer europäischer Nachbarländer ganz anderere, abweichende Bedeutungen hat. Nur deswegen gleich vom Verfall der deutschen Sprache zu sprechen mag vielleicht etwas übertrieben sein. Gerade das Deutsche hatte schon immer gern die Eigenschaft sich Worte und Redewendungen aus anderen Sprachen als Fremdworte einzudeutschen. Es ist noch nicht lange her da war es schick französische Vokabeln einzudeutschen. “Watt hev ick mi echauffiert!” war ein gern zitierter Satz meiner Oma, dessen Komik aus dem wilden Mix von Platt und Französisch bestand. Und aus dem Latein gibt es weiterhin viele Fremdworte im Deutschen (z.B. Domizil von Domo = Haus). Davon allein ging und geht eine Sprache nicht kaputt, erst recht wenn sie so viele Sprecher hat.  In Europa ist die Zahl der deutschen Muttersprachler die größte existierende Sprachgruppe. Das diese Sprache also durch assimilierung ausstirbt ist unwahrscheinlich. Sie wird sich verändern, ja sicher. Das tun aber alle Sprachen. Man lese mal Shakespeare oder Luther; das hat mit heutigem Deutsch oder Englisch nicht mehr viel gemein, auch wenn man es noch versteht redet doch keiner mehr so. Sprache ist im ständigen Fluss und verändert sich. Das dabei auch eben sehr komische Wort-Kreationen entstehen trägt eher zur Erheiterung für den Kenner bei (wie die Selbstbedien-Bäckerei-Kette “Back-Point“), Andere sorgen für Irritation und Un- oder Missverständnisse besonders wenn z.B. ältere Menschen des englischen nicht mächtig genug sind. Manchmal führen die Marketing-Bestrebungen für alles ein englisches Schlagwort zu finden auch lustige Blüten, weil Doppeldeutigkeiten entstehen wie bei den “intimen Kurieren”.  Auch die Sportler der neuen Trendsportart Bouncen sind sich wohl nicht im klaren das Bouncer im englischen Türsteher bedeutet. Oder sie ignorieren es und nennen sich trotzdem so. Ausgefallene Sportarten scheinen sowieso per se auch dem Zwang zu unterliegen ausgefallen klingen zu müssen. Aufhänger dieses Artikels war eigentlich dieses ein Werbeschild für eine Rabattaktion die nicht nur Taschen, Röcke, Gürtel und Geldbeutel anpries, sondern auch Billabong, Skullcandy, Flow, Reef, Raiden, Hoodie und Kustom. Da stehe selbst ich ein wenig perplex und verwirrt davor… ;)

Aber ist das nun schlimm? – Nein! Ich bin nun mal halt kein Skater, und wenn’s mich interessiert frag ich halt nach und lerne ein paar neue Worte. Jede Gruppe igelt sich in ein Fach-Vokabular ein, das nur von Insidern verstanden wird. Besonders Fachgruppen (Mediziner, Ingenieure, ja quasi alle Berufsgruppen) neigen dazu ihr Spezial-Vokabular zu bilden, genauso wie Fuß- oder Handballer und deren Fans, politische oder religiöse Gruppierungen. Das ist quasi normal. Wenn man’s nicht versteht heißt es eigentlich nur, dass man nicht zur Gruppe dazugehört. Darüber kann man sich dann amüsieren, sich ärgern, es ändern, mit den Achseln zucken oder aber den Untergang der Sprache beschwören. – Kommen wird er deshalb nicht!

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Nachtrag: Die Anzeige im Blog von Himmelbrett wurde inzwischen leider wieder entfernt

One Response to “Eine schmuddelige Sache…”

  1. grauert.net » Blog Archive » Denglisch II Says:

    [...] __ Auch Lesenswert: “Wie geil ist das denn?”, “C’est une sale affaire”. [...]

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