Posts Tagged ‘Google’

Nachdem Google schon zum 150. Geburtstag von L.L. Zamenhof sein deutsches Doodle angepasst hat, ist nun etwas passiert, worauf die (Esperanto-)Welt lange gewartet hat: Google Sprachtools kann ab sofort auch Esperanto übersetzen!

Screenshot Google Sprachtools

Google Sprachtools kann neuerdings auch Esperanto

Am 22. Februar wurde die Erweiterung von Google translate um die seit 125 Jahren genutzte Sprache im Google translate blog bekanntgegeben. Damit ist Esperanto die 64. Sprache die Google in sein automatisches, webbasiertes Übersetzungsprogramm aufnimmt. Bei Wikipedia ist Esperanto schon seit längerem unter den TOP 40 gelistet und Google bietet auch schon einige Zeit eine Esperantoversion seiner Suchmaske an. Das aus allen 6909 derzeit bekannten lebenden Sprachen es jetzt gerade Esperanto geschafft hat dem Suchmaschinen-Giganten nicht nur aufzufallen, sondern auch für würdig genug befunden wurde ein Übersetzungsprogramm zu programmieren, zeigt Googles Wertschätzung jener Sprechergruppe, die sich klar abhebt von der sonstigen landläufigen Meinung zu Esperanto. Google als produktiv denkendes, gewinnorientiertes Wirtschaftsunternehmen würde nicht viel Geld in die Entwicklung einer aufwändigen Übersetzungssoftware stecken, wenn man sich davon keinen wirtschaftlichen Vorteil verspräche. Wenn also ein Wirtschaftsriese wie Google die als klein und exotisch verschrieene Sprechergemeinschaft für ausreichend marktwirtschaftlich interessant hält, dann kann diese wohl doch nicht so ausgestorben, tot, gescheitert und unbedeutend sein, wie sie oftmals gern dargestellt wird. Möglicherweise hilft ja auch diese erstmalige Beachtung durch ein so großes und einflussreiches Wirtschaftsunternehmen, mit den alten Vorurteilen aufzuräumen.

Diese Adelung der von Zamenhof initiierten Welthilfssprache durch Google hat aber auch seine Schattenseiten. Esperanto verliert dadurch seinen Status als “Geheimsprache”. Nicht das sich diese besonders gut als solche taugen würde. Eher das Gegenteil ist der Fall. Auf einer längeren Bahnfahrt sagte mal eine junge Slowakin neben mir das sie 30% meines Gesprächs mit meinem Gegenüber verstanden hätte. Ich habe auch schon mehrfach Leute getroffen, die sich Esperanto in weniger als einem Monat beigebracht haben. Das ist für den Kenner aber auch nicht weiter verwunderlich! Schließlich wurde diese Sprache ja extra so konzipiert und angepasst, dass sie eben deutlich leichter erlernbar ist, als jegliche sonstige Nationalsprache.

Früher konnte man die Welt unterteilen in jene die Esperanto beherrschen und den Rest. Der Rest hatte zumindest seine Schwierigkeiten Esperantotexte zu lesen, und darum musste man auch Interna nicht sonderlich sorgsam vor Zugriff durch die Allgemeinheit schützen. Man konnte auch recht sorglos und quasi ohne Selbstzensur schreiben, unter dem Schutz, dass die Allgeimeinheit es eh nicht versteht.

Das ist nun auf einen Schlag anders. Plötzlich kann Jedermann auch in die verborgenen Tiefen komplexerer Esperanto-Websites eindringen, Dokumente übersetzten, Texte lesen. Das ist einerseits schön, macht es doch die herrlich kunterbunte und kulturell vielfältige Esperantowelt zugänglicher. Es macht sie aber auch angreifbarer. Sei es Werbung oder Scamming – man kann jetzt quasi ohne Aufwand Vertrautheit und Zurgehörigkeit vorgaukeln. Die Esperantowelt muss sich darauf gefasst machen und darüber hinaus ihre Sicherheitsmechanismen überprüfen und ggf. aktualisieren!
Besonders die ältere Generation muss auf die Gefahr des bisher nicht existenten, jedoch jetzt möglichen Scammings hingewiesen werden!

Der Anreiz Esperanto zu lernen wird sich nun für Manche verringern, da Lernfaule es nun einfacher haben. Viele Anfänger jedoch werden die neue Google Funktion sehr zu schätzen wissen, beschleunigt sie doch das Eintauchen in die neue Sprache vehement. Und Aktivisten der Wikipedia-Gemeinde & Co. werden sich auch sehr freuen. Lässt sich doch viel Zeit sparen indem man nun lange Textpassagen erst mal durch Google jagt und dann lediglich noch das Ergebnis überarbeitet.

Im Google translate blog war man übrigens schwer verwundert darüber wie wenig Trainings-Material für den Übersetzungs-Roboter doch nötig gewesen sei, verglichen mit anderen Sprachen. Und man war erstaunt über die hohe Qualität der Übersetzungen. Als Kenner der Sprache ist man da natürlich weniger bis gar nicht erstaunt. Wie leicht und logisch Esperanto funktioniert, weiß man aus der eigenen Praxis.

Niemand kann voraussagen was in Kürze noch so alles kommt. Vielleicht gibt es ja schon bald den Browser Google Crome oder das Betriebssystem Android ebenfalls in Esperanto, wer weiß?

__
Foto: Screenshot von Google

Google esperanta

Author: Nicky

Anläßlich des 150-jährigen Geburtstages von Zamenhof, zeigte Google.de den ganzen 15. Dezember folgendes Bild:

Google Schriftzug mit Esperanto-Flagge
Autor: Google, gesehen von Frank Merla

…nebenbei bietet Google seine Benutzeroberfläche neben vielen weiteren Sprachen auch in Esperanto an.

__
Nachtrag 19.2.’10:
Die englischsprachige “New Republic”, schrieb aufgrund der E-o Fahne bei Google einen Artikel, welcher wiederum Gunnar Gällmo zu der Frage bewegte:
Is Esperanto a Frankenstein’s Monster?

…die Antwort gibt es in seinem Blog.